ARBEITSTITEL: EINE TANZSTUNDE

Tanztheater

Prinzregententheater München / 2. – 6.7.2011

„Im Anfang war die Tat“ (Johann Wolfgang von Goethe, Faust 1)
In unserer modernen Leistungsgesellschaft, in der alles möglich scheint, dürfen wir funktionieren können. Es steht in unserer eigenen Verantwortung, dass wir im Leben vorankommen. Wir sind ständig in Bewegung, sind unruhig und gehen dieser und jener Tätigkeit nach, um keine Chance zu verpassen. Manch einer ermüdet und bleibt erschöpft zurück oder wird dazu getrieben, eine andere, neue Bewegung zu finden. Der Tanz ist eine Möglichkeit. Der Mensch allein kann tanzen. Verglichen mit dem linearen, geraden Gang ist der Tanz mit seinen verschnörkelten Bewegungen ein Luxus, der sich dem Leistungsprinzip ganz zu entziehen versucht und körperliche Grenzen scheinbar überwinden kann. Tanz wird zur Möglichkeit des Widerstands gegen ein allzu umfassend gewordenes Nützlichkeitsdenken. Doch eingelöst wird dieses Überwinden gesellschaftlicher Normen und körperlicher Grenzen, das Fliegen, nur in kurzen Augenblicken, ist gültig nur im Moment, ist vergänglich, verweht und nicht auf ewig zu halten. Ewig ist aber das Verlangen, diesen Moment ins Dauerhafte zu bannen, wider alle Unzulänglichkeiten, wider die Kraft die stets verneint. Der Tänzer als Kern jedes faustischen Bemühens. Je umfangreicher sein Werk, desto grösser sein Streben nach dem Verlorenen.

Es ist das Ringen zweier gegensätzlicher Protagonisten um das gemeinsame Ideal des einen, befreienden Tanzes. Der Tänzer ist vom Wunsch beseelt, den verlorenen, erlösenden Moment wieder erstehen zu lassen, der andere lebt vom Glauben, diesen Moment irgendwann noch zu erleben. Es geht um den Tanz, der das Leben des einen ausgemacht hat und das Leben des anderen noch erfüllen soll.

Regie Till Wyler von Ballmoos | Dramaturgie Günther Philipowski | Bühne Evi Bauer

Tanz und Schauspiel Marc Mondelaers, Tim Erny, Samuel Stoll, Florian Schmidt-Gahlen, Anton Leiss-Huber

PRESSE
„[…] Das gedankliche Fundament, das der Regisseur zusammen mit dem Dramaturgen Günther Philipowski gezimmert hat, ächzt immer dort ein wenig, wo die Akteure den lockeren Erzählmodus verlassen und es getragen und literarisch wird: Die wenigen Goethe-Sätze klingen hölzern und wirken wie versehentlich im Text vergessen. Dennoch ist vieles charmant an dem Abend im Akademietheater, der einen Menschen zeigt, der eins mit seinen Bewegungen ist – und daneben einen, der seinen eigenen Schritten immer nur hinterher hoppeln kann. Darin steckt mehr Wahrheit über verschiedene Lebensprinzipien, als man vorher angenommen hätte.“ (Süddeutsche Zeitung, Sabine Leucht, 5.7.2011)

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