BATS OF BANGALORE

Seminar / Workshop

Srishti Institute for Art, Design & Technology, Bangalore / 20.11. – 17.12.2017

Performance Projekt
Medial sind heute Information zu jedem erdenklichen Ereignis verfügbar. Das macht uns glauben, dass wir Wissen ansammeln und somit Erkenntnis gewinnen. Ist dies nicht eine grosse Illusion? Das mediale ‚Rauschen’ lässt uns ‚blind‘ werden und kann zugleich auch ein Bewusstsein für Diversität und multiperspektivische Erkenntnis schaffen. Wie lässt sich ‚Blindheit’ produktiv als ‚Terra Incognita‘ nutzen? Lassen sich blinde Flecken als Imaginations- und Möglichkeitsraum umdenken?

Im Mythos Ödipus treffen die Antagonisten König Ödipus und der blinde Seher Teiresias aufeinander: Der sehende Ödipus erkennt seine eigene Tragödie nicht – der blinde Teiresias hingegen erkennt die unvermeidliche Katastrophe. Wie gelingt es Ödipus seine Sicht zu wechseln und Erkenntnis über seine Identität zu gewinnen?

In seinem 1974 erschienenen Essay „What is it like to be a bat?“ („Wie ist es, eine Fledermaus zu sein?”) behandelt der Philosoph Thomas Nagel die Schwierigkeit, das Bewusstsein eines Gegenübers zu erfassen. Wie sieht eine Welt aus, wenn man sie nur über die reflektierten Schallwellen des Echolots wahrnimmt? Mit dem Umweg über das Bild einer Fledermaus fordert Nagel einen radikalen Wechsel der Erlebnisperspektive, um zu verstehen ‚what is it like to be…‘. Die Thesen zum Perspektivwechsel in Bezug auf unsere sinnlichen und logisch-kognitiven Fähigkeiten im Ödipus-Mythos und Nagels Essay dienen in der Entwicklung des Projekts als literarischer Denkanstoß und Gradmesser.

Der Regisseur und Musiker Till Wyler von Ballmoos und der Dramaturg Nikolaus Witty laden ein, gemeinsam ein offenes Performancekonzept zu entwickeln. In der Projektarbeit erforschen die Studierenden mit performativ-künstlerischen Strategien das Phänomen ‚Blindheit‘ und aktivieren das künstlerischen Potential von Leerstellen. Ziel des Arbeit ist die Entwicklung von intermedialen Performance-Essays, die aktuelle Diskurse zu Identitätskonstruktionen aufgreifen, praktisch erörtern und die in der Wahl ihrer Mittel und Formate frei sind.

Wir arbeiten mit körperlichen Übungen an transformatorischen Prozessen, mit Konzepten von Empathie und Verkörperung an szenischen Rollenspielen. Mögliche Formen der Performance sind motiv- und rollenbezogene Reenactments, Spiel mit Raum und Text, Interventionen im öffentlichen Raum und einer gemeinsamen Materialsammlung, die sich räumlich abbildet. Reflektiert wird die Arbeit mit prozessorientierten Strategien von Kritik und Feedback.

Erste Versuche werden am 1.12.2017 als Interventionen im Rahmen der Performance ØDIPUS REC beim Filmfestivals EXPERIMENTA 2017 in Bangalore, Indien gezeigt. Alle studentischen Arbeiten werden am 15.12. und 16.12. im Rahmen des Semesterabschluss’ am Srishti Institute of Art, Design and Technology in Bangalore öffentlich präsentiert.

Von und mit Nikolaus Witty & Till Wyler von Ballmoos, Student*innen des Srishti Institut of Art, Design and Technology

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