DER GOALIE BIN IG

Monolog

Konzerttheater Bern / 5.12.2012 – 30.3.2019

Laut Aristoteles ist das Kennzeichen einer wahren Tragödie das unverdiente Leiden eines Menschen. Gänzlich unverdient leidet der Goalie nicht. Und wie der Held einer griechischen Tragödie zweifelt, zürnt und hadert er, kämpft, strauchelt – und fällt am Ende doch.

Das heldenhafte Schlitzohr, das naiv-geschäftstüchtige Stehaufmännchen Goalie ist eine der fabelhaften Figuren des Berner Mundartdichters Pedro Lenz, der mit liebevollem Blick einen gewitzten, sympathischen und dennoch gefährdeten Menschen zeichnet und ihm mit berndeutscher Poesie humorvoll und melancholisch zugleich eine markante, wortreiche Stimme verleiht.

Richtig viel Glück hat er nicht gehabt im Leben, der Goalie. Seine ersten 33 Jahre hat er davon in einem Nest namens Schummertau verbracht. Hier war die soziale Kontrolle stark, der Drogenkonsum hoch und der Arm des Gesetzes lang. Dabei war er doch wirklich nur ein kleiner Fisch, nicht gerade ein Grämmlidealer, aber eben auch nicht viel mehr. Ein Tiefschlag im Leben des Junkies beschreibt die Geschichte mit der Tasche eines Arabers oder Franzosen. Leicht verdientes Geld: Für föif Ameisenote hatte er diesen Typen für seinen Kumpel Ueli irgendwo im Jura abgeholt. Dummerweise vergass dieser jedoch in seine Tasche voller Stoff im Kofferraum, und dummerweise hatte Goalie später dann so getan, als ob er nicht wüsste, wo die Tasche sei. Ein Jahr später war das alles Schnee von gestern, die Strafe abgesessen, die Rechnung beglichen, Goalie wagte einen Neuanfang. Er fand eine Wohnung (über Beziehungen) und sogar einen Job (über Beziehungen). Und als die schöne Regula, Bedienung in seiner Stammbeiz Maison, um die er ausdauernd, aber bislang vergeblich und ehrlich gesagt auch ziemlich dämlich geworben hatte, einwilligte, mit ihm nach Spanien in die Ferien zu fahren, war das Glück fast schon zum Greifen nahe. Aber das Schicksal holte Golie, wie so oft ein. Wieder einmal wurde er in Dinge verwickelt, mit denen er weder etwas zu tun hatte noch haben wollte…

Regie Till Wyler von Ballmoos | Dramaturgie Sabrina Hofer | Bühne Evi Bauer | Text Pedro Lenz | Schauspiel Jonathan Loosli

PRESSE
„[…] Die feinfühlige Regie von Till Wyler von Ballmoos kostet den Andeutungsreichtum des Settings aus, ohne platt zu werden. Schneemänner – Koksgrinde, das passt schon mal gut. Seelenlose Figuren mit blöden Gesichtern auch, bis der Goalie sie zum Leben erweckt – auf ein wenig gar zupackende Weise, so dass sie im Lauf des Abends allmählich in die Brüche gehen. Das ist dann jeweils lustig und traurig zugleich, und es trifft den Kern dieses ungestümen Tolpatschs: eine gutmütige Lachnummer, ein Lusbueb, der zum Looser wird. Und trotzdem noch lange stehenbleibt, wie die Schneemänner im Regen.“ (KulturStattBern, Roland Fischer am Sonntag, 16. 12. 2012)

„Ein ziemlich berauschender Abend: Pedro Lenz‘ Erfolgserzählung ‚Der Goalie bin ig‘ überzeugt auch als Theaterstück auf der Vidmar-Bühne. […] Jonathan Loosli ist die Inkarnation des sympathischen Schelms aus Pedro Lenz Erfolgsroman.“ (Der Bund, Regula Fuchs, 17.12.2012)

„Dass der ‚Goalie‘ auf der Bühne so gut funktioniert, liegt unter anderem an der grossen Intimität des Raumes und dem intensiven Spiel des Solisten Loosli. Obwohl er den Autor Pedro Lenz beim Vortragen nicht zu überbieten vermag – keiner kann das – sorgt Loosli dafür, dass die Bühnenfassung einen emotionalen Mehrwert zu Hörbuch und Dichterlesung liefert.“ (SDA, Irene Widmer, 16.12.2012)

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